Rückblick / Erste Erfahrung im Rettungsdienst

Nach neun Schichten wird es nun Zeit für einen ersten Rückblick. Bis jetzt hatte ich bereits fünf Tag- und vier Nachschichten, und kann dabei auf sehr interessante, anspruchsvolle, sowie verschiedene Einsätze zurück schauen.

Im ersten Ausbildungsjahr ist man bei Schutz und Rettung Zürich (kurz SRZ) immer zu dritt unterwegs. Dabei wird man jeweils von mindestens einem dipl. Rettungssanitäter oder einem Berufsbildner begleitet. Ich hatte bereits zweimal die Möglichkeit mit anderen Studierenden zusammen zu arbeiten. Dies finde ich sehr interessant und lehrreich. Man kann sehr viel von ihnen lernen. Zudem sieht man sehr gut, wie hoch das Niveau im zweiten, bzw. dritten Ausbildungsjahr ist, und das Niveau ist recht hoch. Es wird von den Studierenden schon recht viel verlangt. Auch von mir, am Anfang der Ausbildung, wird schon einiges verlangt. Es ist wird sehr viel Wert auf die Motivation gelegt, und es ist wichtig dass man Interesse zeigt. Seit dem zweiten Ablauf unterstütze und assistiere ich so gut es geht, und soweit meine Kompetenzen es zulassen, den Leader im Team. Dies kann ein dipl. Rettungssanitäter sein, oder ein/eine Studierender/Studierende sein. Dabei führe ich die Aufgaben aus, die mir der Leader erteilt.

Zu diesen Aufgaben gehören:

  • Monitoring (Blutdruck, Sauerstoffsättigung, 4-Kanal-EKG)
  • Infusionen vorbereiten
  • peripherer intravenöser Zugang legen
  • offene Wunden behandeln (reinigen, desinfizieren, abdecken)
  • Sauerstoff über Nasenbrille / Maske geben
  • Medikamente aufziehen, Dosierung berechnen
  • ReassessmentPatient während der Fahrt überwachen

Im Verlauf der weiteren Ausbildung im Rettungsdienst kommen immer wieder neue Aufgaben hinzu.

Was für Einsätze hatte ich bereits?

  • Selbstunfall mit Auto / mit Velo
  • Bewusstlosigkeit
  • Herz-Kreislaufstillstand 
  • Kind mit RQW (Riss-Quetsch-Wunde)
  • Fieberkrampf / Krampfanfall
  • Intoxikation (Alkohol Drogen)
  • Psychischer Notfall / Fürsorgerische Unterbringung (FU)
  • Verlegungen (Spital nach Spital)

Insgesamt hatte ich in den 9 Schichten 34 Einsätze, dies macht einen Durchschnitt von rund 4 Einsätze pro Schicht. Die aktuellen Zahlen findest du unter „Meine Einsatzstatistik“.

Erfahrungen / Erkenntnisse / Tipps

Es ist sehr wichtig, die Einsätze gründlich nach zu besprechen. Unklarheiten und Fragen sollten immer sofort geklärt werden. Es empfiehlt sich auch, für sich selbst über die verschiedenen Diagnosen, Krankheiten usw. zu recherchieren und sich Notizen zu machen. Tagsüber nutze ich die einsatzfreie Zeit, um mit Lernkarten (App) zu lernen. In der Nacht schreibe ich meistens Berichte oder Zusammenfassungen


Rückblick erster Schulblock & Fazit (Klasse und Schule)

Den ersten 6-wöchigen Schulblock haben wir nun hinter uns, und sind bereits in der praktischen Ausbildung im Rettungsdienst. Zeit um ein erstes Fazit zu ziehen.

Im Grossen und Ganzen bin ich mit dem ersten Schulblock sehr zufrieden. Der Unterricht war stets interessant und lehrreich. Besonders die Dozentinnen und Dozenten, sowie die Freelancer machten eine sehr guten Job. Sie kommen aus verschiedenen Rettungsdiensten aus der ganzen Schweiz (nicht nur von SRZ) und bringen so sehr viele unterschiedliche Erfahrungen mit. Die meisten sind zudem sehr interessiert an ihrem Job, und versuchen jedem Studierenden bei Fragen und Problemen zu helfen. Teilweise ist die Zeit für umfangreiche und komplexe Fächer etwas zu knapp berechnet. Zudem gab es auch ein paar wenige Lektionen, die man hätte streichen können, um so mehr Zeit für die komplizierten Fächer zu haben. Dies ist aber natürlich Ansichtssache, und jeder sieht dies etwas anders. Die meisten Lektionen hatten wir für die Module 4 (Rettungsgeräte), 5 (Einsatzmethoden) und 6 (Anatomie / Physiologie). Ausser den praktischen OSCE-Prüfungen hatten wir noch keine grösseren Lernzielkontrollen. Diese folgen dann im zweiten Schulblocks.

Übersicht über die bereits behandelten Themen:

– Modul 1: Grundlagen Ausbildung


Ausbildungsbeginn / -verlauf
Berufsbild, Arbeitsfelder, Kompetenzen
Qualifikationsverfahren
– Modul 3: Kommunikation

Kummunikationsmittel
– Funk / Polycom
– Modul 4: Rettungsgeräte









Medizinische Geräte
– Monitor, SpO2, Blutdruck, EKG
– Blutdruck manuell
Technische Rettung
– Halskragen & Helmabnahme
– Rettungsbrett & Beckengurt
– Immobilisation
– Vakummatratze & Schaufeltrage
– Rapid Extrication / Crash Bergung
– KED / BOA Rettung
– Modul 5: Einsatzmethoden






Patientenbeurteilung ABCDE
Skilltraining (praktisch Training)
Fallbeispiele
Infusionen und Injektionen
– peripher-venöse Zugang
– Perfusoren
Grundlagen “Pflege“
– Modul 6: Anatomie / Physiologie









Histologie & Zytologie
Naturwissenschaftliche Grundlagen
– Chemie und Biochemie
– Säure-Basen-Haushalt
– Wasser-Elektrolyth-Haushalt
Stütz- & Bewegungsapparat
– Knochenlehre
– Muskellehre
Kreislaufsystem
– Blut- & Lymphsystem
– Modul 7: Sicherheit / Hygiene
Hygiene im Rettungsdienst
– Modul 10: FallsimulationenABCDE inkl. Technische Rettung
– Modul 26: Berufsentwicklung


Lerntechniken
Lernwerkstatt
Selbststudium
– Modul 27: Qualifikationsverfahren



OSCE-Prüfungen
– BLS-AED
– Wendel- & Guedeltubus, Absaugen,
manuelle Airway-Manöver

Was mir auch sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, war der Grillplausch in der ersten Schulwoche. Dabei konnten wir uns als Klasse zum ersten mal so richtig kennenlernen. Es gab viele interessante Gespräche und dies förderte unseren Klassenzusammenhalt enorm. Die meisten von uns trafen sich auch ausserhalb der Schulzeiten regelmässig , z.B. für ein Feierabend-Bier, zum Lernen, usw.. Wir sind ein recht bunter Haufen aus verschiedenen Regionen der Schweiz, mit unterschiedlichen beruflichen Vergangenheiten, und dennoch passen wir alle sehr gut zusammen und ergänzen uns hervorragend. Ich bin wirklich froh ein Teil dieser Klasse zu sein.

Ich habe mich auch bei meinen Schulkolleginnen und Schulkollegen umgehört und sie um ihre Meinung bzw. Fazit zum ersten Schulblock gebeten. Nachfolgend einige Kommentare von meinen Mitstudierende.

Das sagen meine Mitstudierenden zu unserer Klasse:

  • Kameradschaft und Zusammenhalt ist für die Ausbildung und generell für den Job sehr wichtig. Ich habe das Gefühl, dass das in unserer Klasse sehr weit oben steht, was die Priorität angeht.
  • Ich finde, man merkt es recht, dass Rettungssanitäter ein bisschen eine eigene Spezies sind. Dies bietet aber aus meiner Sicht sehr viel Vorteile für den Klassenzusammenhalt und die Kameradschaft an sich. So zum Beispiel, wenn man Interessen teilen kann, auf eine gute Art gleich verrückt ist, und man über das gleiche lachen kann. Ich finde unsere Klasse “Hammer” und mag es zum mit jedem einzelnen zu arbeiten.
  • Unsere Kameradschaft in der Klasse ist nicht so wie bei jeder anderen Erwachsenenbildung. Nein, unsere Kameradschaft ist mehr. Ich habe nicht nur eine grossartige Zeit in der Schule, sondern kann auch ausnahmelos jedem blind vertrauen.
  • Ich bin unheimlich stolz, ein Teil von diesem Ganzen zu sein.
  • Ich habe das Gefühl, dass wir in der Klasse einen Haufen ähnlich tickende Leute haben, was wahrscheinlich mit der Berufswahl zu tun hat. Durch dies ist der Zusammenhalt sehr stark.
  • Die Kameradschaft in der Klasse ist sehr gut. Vielleicht kommt das von der sozialen Seite des Berufs, aber ich denke eher, dass es von daher rührt, dass wir alle die selben Interessen haben. Da kommt auch gleich der Zusammenhalt dazu. Er ist sehr eng und ich glaube, jede und jeder würde ohne zu zögern dem anderen helfen, sowie die Klasse verteitigen.

Das meinen meine Mitstudierenden zur Schule (HFRB) und zu unseren Dozenten:

  • Die Schule und die Dozenten fördern die Kameradschaft und den Zusammenhalt in der Klasse und sind stets darauf aus, dass wir gute Rettungssanitäter werden.
  • Die Schule ist sehr gut. Sie ist sehr praktisch orientiert, und auch die Theoriestunden sind sehr gut aufgebaut. Die Dozenten sind humorvoll und fachlich sehr gut. Der Unterricht ist natürlich unglaublich spannend und lehrreich.
  • In der Schule wird viel praktisch gearbeitet. Wir tragen unsere Berufskleidung, um in der richtigen Rolle als Rettungssanitäter zu sein. Die meisten Dozenten, welche praktische Fallbeispiele begleiten, sind Rettungssanitäter, welche in einem in einem Rettungsdienst angestellt sind und punktuell in die HFRB zum unterrichten kommen. So lernt man viele Leute aus unterschiedlichen Gegenden kennen, dies ist sehr spannend, vor allem, wenn sie aus ihrem Berufsalltag erzählen.
  • Unsere Dozenten, die auch Rettungssanitäter sind, sind genauso auf unserer Wellenlänge. Dies macht der Unterricht spannend und lustig. Sie wissen, wie sie den Stoff schnell und verständlich vermitteln können.
  • Der Unterricht ist sehr praktisch, was für die Arbeit “draussen” sehr viel wert.
Unsere Klasse RSL 2019 F (Foto: HFRB/mr)

6. Schulwoche – Muskellehre, Fallbeispiele, Grundlagen Perfusoren, Grundlagen Blut- & Lymphsystem und die 2. OSCE-Prüfung

Die 6. und letzte Schulwoche war, wie die Woche zuvor, wieder sehr theorielastig. Die Themen waren aber sehr interessant, daher hat der Unterricht auch in der letzten Woche wieder sehr Spass gemacht.

Grundlagen Muskellehre

Wir haben die Grundlagen der Muskellehre kennengelernt. Jeder weiss was ein Muskel ist, und welches seine Aufgaben sind. Doch wir Rettungssanitäter wollen bzw. müssen es immer etwas genauer Wissen. Neben der aktiven Bewegung (Laufen, Halten) haben die Muskeln auch noch weitere Aufgaben, zum Beispiel die Wärmeproduktion. Durch die aktive Bewegung (mech. Arbeit)  entsteht auch Wärme als Nebenprodukt. Die hilft uns vor allem wenn wir kalt haben. Dann erzeugt der Körper mit den Muskeln (Kältezittern) bis zu 85% der Körperwärme. Neben den Aufgaben der Muskeln befassten wir uns auch u.a. mit den Eigenschaften der Muskulatur, den verschiedenen Muskelgewebsarten und deren Aufbau, sowie mit der Mechanik und der Namensgebung der Muskeln. Bis zu den Prüfungen im Juni müssen wir neben den oben aufgeführten Lernzielen, die rund 50 wichtigsten Muskeln auf deutsch und lateinisch benennen können. Dadurch ist das Thema „Muskulatur“ schon sehr anspruchsvoll.

Fallbeispiele

Am Dienstagnachmittag durften wir uns wieder an verschiedenen Fallbeispielen beweisen. Es ging in erster Linie wieder darum, ein sauberes und vollständiges Primary Survey (ABCDE-Schema) durchzuführen. Besonders im ersten Jahr wird auf diese Phase der Patientenbeurteilung und -betreuung sehr viel Wert gelegt, weil es sich hier um eine wichtige Grundlage im Rettungsdienst handelt. Für mich war dieser Nachmittag speziell, weil mein Berufsbildner (kurz BB) zu Besuch war. Unter den wachsamen Augen des Dozenten, meines BB’s und den Kollegen musste ich dann ein Fallbeispiel als Leader bestreiten. Besonders mein systematisches Vorgehen bei der Patientenbeurteilung und das kurze und prägnante Team Time Out (kurz TTO, oder 10s für 10min) wurde sehr positiv bewertet. Es gab aber auch konstruktive Kritik, die ich mir dann natürlich sehr zu Herzen nahm.

Grundlagen Perfusoren

Einen halben Tag haben wir uns noch mit den Spritzenpumpen, besser bekannt unter dem Namen Perfusor (geschützter Markenname), beschäftigt. Dies sind Geräte für die kontinuierliche Medikamenten-Verabreichung über eine bestimmte Zeit oder bei einer Dauerbehandlung. Sie kommen meistens auf Intensivpflegestationen (kurz IPS) zum Einsatz. Im Rettungsdienst kommen diese Geräte eher selten vor. Nur wenige Rettungsdienste haben eigene Spritzenpumpen auf ihren Fahrzeugen. Trotzdem müssen wir wissen, was diese Geräte können und wie man diese bedient. Im Unterricht konnten wir einen Perfusor vorbereiten und programmieren.

Grundlagen Blut- & Lymphsystem

In dieser Lektion haben wir die Grundlagen des Blut- und des Lymphsystems behandelt. Ich finde dieses Thema sehr interessant und habe mich daher auf diesen Unterricht gefreut. Es ist wie jedes andere Thema sehr umfangreich und man musste sich vorbereiten. Im ersten Teil haben wir uns neben den Aufgaben des Blutes, auch mit deren Zusammensetzung, den Blutbildern, den Blutzellen, der Hämostase (Blutstillung) und den Blutgruppen befasst.

Der zweite Teil handelte vom Lymphsystem. Das Lymphsystem ist ein Teil des Immunsystems und hat die Aufgaben, Gewebewasser, Eiweisse und Infektionserreger aufzunehmen und abzutransportieren. Es hat daher eine wichtige Aufgabe im menschlichen Körper. Im Unterricht haben wir die primären und sekundären lymphatischen Organe und deren Aufbau und Aufgaben kennengelernt.

2. OSCE-Prüfung

Am letzten Tag des ersten Schulblocks hatten wir nochmals eine praktische Prüfung. Bei diesen OSCE-Prüfungen werden wir auf die korrekte Anwendungen von verschiedenen Skills geprüft. An der ersten Prüfung (4. Schulwoche) stand die korrekte Durchführung der BLS-AED auf dem Programm. An dieser zweiten Prüfung wurden wir auf folgende Skills geprüft:

  • Manuelle Manöver Airway
  • Wendel-Tubus
  • Guedel-Tubus
  • Absaugen

Neben der richtigen Handhabung mussten wir auch Fragen zu den Indikationen, den Kontraindikationen und den Gefahren beantworten. Das ganze war aber sehr überschaubar, und bereits nach 15min. absolviert. Dennoch sollte man diese OSCE-Prüfungen nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich entsprechend vorbereiten. Von den rund 30 Skills werden die wichtigsten ( 17 Skills/OSCE) an praktischen Prüfungen geprüft.

Die nächsten OSCE-Prüfungen finden Ende November statt. Dabei werden weitere 4 Skills geprüft. Dies sind die „stabile Seitenlage“, die „manuelle Blutdruckmessung“, die “Blutzuckermessung“, sowie den „Venösen Zugang“. In der praktischen Ausbildung im Rettungsdienst können wir diese Skills nun üben und trainieren.