Fahrtraining mit dem Rettungswagen RTW

Anfangs November absolvierten wir Auszubildenden (SRZ) im ersten Ausbildungsjahr ein eintägiges Fahrtraining mit den Rettungswagen. Dabei ging es darum, die Dimensionen und das Verhalten des RTW’s kennenzulernen und in einem geschützten Umfeld verschiedene Manöver und Übungen durchzuführen.

Ein Rettungswagen (kurz RTW) unterscheidet sich wesentlich von einem normalen Personenwagen (kurz PW). Deshalb ist es für uns Auszubildenden sehr wichtig, dass wir die Dimensionen und das Verhalten von unseren RTW’s kennen. Ein normaler RTW hat folgende Abmessungen:

RTW PW
Länge:ca. 6.60 mca. 4.70 m
Breite:ca. 2.25 mca. 2.00 m
Höhe:ca. 2.70 mca. 1.50 m
Gesmtgewicht:ca. 5’000 kgca. 1’600 kg
Getriebe:Automatik

Besonders beim Manövrieren an engen und unübersichtlichen Stellen ist eine achtsame Fahrweise ratsam. Sofern möglich, kann eine Person zur Hilfe beigezogen werden. Straßensignale, Vordächer, Markisen usw. stehen oft weit in den Weg hinein. Von der Fahrerseite aus sind diese Hindernisse wegen des toten Winkels kaum zu erkennen. Auch im Notfall sollte man daher in engen Situationen langsam und kontrolliert fahren.

Beim Fahren auf der Strasse muss dem Fahrzeugüberhang (hinten) eine besondere Beachtung geschenkt werden. Die meisten RTW’s besitzen hinten ein festes Trittbrett, welches beim Abbiegen ausschwenkt. Dabei kann man andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Deshalb muss man vor und während dem Abbiegen immer den Überhang im Seitenspiegel kontrollieren.

Bei Fahren mit Sondersignal (Blaulicht und Wechselklanghorn) ist ebenfalls höchste Vorsicht geboten. Man hat zwar das Gefühl, dass die anderen Verkehrsteilnehmer ein Fahrzeug mit Sondersignal sofort wahrnehmen und Platz machen. Dies ist aber nicht immer so. Viele Autofahrer, Velofahren und Fussgänger nehmen uns nicht wahr oder erst sehr spät. Meistens sind sie durch laute Musik (im Fahrzeug, Kopfhörer, usw.) oder sonstige Handlunge abgelenkt. Zudem wissen viele Fahrzeugführer nicht, wie man richtig reagiert, wenn ein Fahrzeug mit Sondersignal von hinten folgt. Deshalb wird von uns stets „volle Konzentration“ und „vorausschauendes Fahren“ verlangt.

Folgende Manöver / Übungen haben wir durchgeführt:

  • Einparken, seitlich (links & rechts)
  • Einparken, rückwärts
  • Zielfahren / Hindernis (schmale Latte) überfahren (links & rechts)
  • Slalom fahren (vorwärts & rückwärts)
  • Fahrzeug wenden (bei engen Platzverhältnissen)
  • Hindernis durchfahren (Abschätzen der Fahrzeugbreite)
  • Fahrzeugsicherung
  • Notbremsung
Slalomstrecke, die vorwärts und rückwärts befahren wurde..

1. Praktikum – “Spitex” – Meine Erfahrungen

Vom 20. Mai bis zum 31. Mai 2019 absolvierte ich mein erstes Praktikum, anlässlich meiner Ausbildung zum dipl. Rettungssanitäter HF. In diesen zwei Wochen war ich mit der Spitex Zürich unterwegs und habe gelernt, welche wichtigen und verantwortungsvollen Aufgaben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spitex haben.

Der Name Spitex steht für “Spitalexterne Hilfe und Pflege”. Die Hauptaufgaben von diesen Organisationen ist es, den Menschen in allen Altersgruppen Zuhause zu helfen und zu pflegen. Sie ermöglichen den Menschen so, das Wohnen und Leben zu Hause, im gewohnten Umfeld.

An den ersten zwei Tagen wurde mir das Zentrum und das Team vorgestellt und ich konnte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihren Einsätzen über die Schultern schauen. Ab dem dritten Tag konnte ich dann selbst Hand anlegen und meine ersten Erfahrungen in der Pflege sammeln.

Warum ein Praktikum in der Spitex?

Bei der Spitex betreut man meistens ältere Menschen, die noch zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld wohnen. Im Rettungsdienst hat man auch häufig mit älteren Menschen zu tun. Daher ist es wichtig, dass man lernt mit älteren Menschen umzugehen und dabei Ihre Bedürfnisse kennt. Man kann zum Beispiel einen 90-lährigen Mann nicht mit einem 20-jährigen Mann vergleichen. Ältere Menschen sind meistens nicht mehr so schnell, hören evtl. nicht mehr so gut und das Sehen kann stark eingeschränkt sein. Dann ist es wichtig, Geduld zu haben und den älteren Menschen sämtliche Massnahmen und Diagnosen kurz und verständlich zu erklären.

Im Praktikum hatte ich daher öfters mit älteren Menschen, die stets freundlich und interessiert waren, zu tun. Bei der Körperpflege habe ich die Kundinnen und Kunden stets über das weitere Vorgehen informiert, und mich über ihre Bedürfnisse erkundigt. Dies kam dann immer sehr gut an und ich erlangte so sehr schnell ihr Vertrauen. Viele wollten wissen, was ich genau mache und warum ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spitex begleite. Ich habe Ihnen dann erklärt, dass ich bei Schutz und Rettung Zürich arbeite, die 3-jährige Ausbildung zum dipl. Rettungssanitäter HF absolviere und anlässlich dieser Ausbildung auch ein Praktikum bei Spitex machen darf. DIes fanden sie dann sehr toll. Die meisten Kundinnen und Kunden der Spitex waren zudem sehr kommunikativ. Dadurch entstanden teilweise auch sehr interessante und lustige Gespräche.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spitex war sehr hilfsbereit und motiviert. So konnte ich in diesen zwei Wochen vieles von ihnen lernen und natürlich auch selbst ausprobieren. Mir wurden die Aufgaben stets bestens erklärt und gezeigt, damit ich es dann die Aufgaben auch korrekt ausführen konnte. Fragen wurden mir dabei immer ausführlich und verständlich erklärt. So konnte ich vieles aus diesem Praktikum mitnehmen.

Interessant war auch zu sehen, wo die Schnittstellen sind und wie bzw. wo wir die Zusammenarbeit verbessern können.

Meine Aufgaben im Praktikum

  • Unterstützen bei der Körperpflege
  • Unterstützen beim Anziehen
  • Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme
  • Unterstützung bei der Mobilisation
  • Sich mit Kundinnen und Kunden unterhalten
  • Medikamente richten / verabreichen
  • Blutdruck, Puls und Blutzucker messen
  • Einsätze vorbereiten und protokollieren

Neben den Aufgaben der Pflege konnte ich mich auch in Sache Stadtkunde verbessern. Weil wir Hauptsächlich mit dem E-Bike unterwegs waren, konnte ich so zwei Wochen lang ein ganzes Quartier besser kennenlernen. Mit einem E-Bike ist man sehr flexibel und kann so eine Stadt wie Zürich sehr gut und vor allem ohne grosse Anstrengungen erkunden und kennenlernen. Vermutlich werde ich mir in der nächsten Zeit ein E-Bike mieten und weitere Teile der Stadt zu erkunden.

Mein Fazit

Es waren auf jeden Fall zwei spannende und abwechslungsreiche Wochen. Ich konnte viele neue Erfahrungen sammeln und interessante Kontakte knüpfen. Zudem ist man viel draussen unterwegs, und kann so eine Quartier besser kennenlernen. Wenn man mit dem Velo oder E-Bike unterwegs ist, macht man auch gleich noch etwas für seine Fitness. Ein Praktikum bei der Spitex ist aus meiner Sicht sehr empfehlenswert.

Rückblick / Erste Erfahrung im Rettungsdienst

Nach neun Schichten wird es nun Zeit für einen ersten Rückblick. Bis jetzt hatte ich bereits fünf Tag- und vier Nachschichten, und kann dabei auf sehr interessante, anspruchsvolle, sowie verschiedene Einsätze zurück schauen.

Im ersten Ausbildungsjahr ist man bei Schutz und Rettung Zürich (kurz SRZ) immer zu dritt unterwegs. Dabei wird man jeweils von mindestens einem dipl. Rettungssanitäter oder einem Berufsbildner begleitet. Ich hatte bereits zweimal die Möglichkeit mit anderen Studierenden zusammen zu arbeiten. Dies finde ich sehr interessant und lehrreich. Man kann sehr viel von ihnen lernen. Zudem sieht man sehr gut, wie hoch das Niveau im zweiten, bzw. dritten Ausbildungsjahr ist, und das Niveau ist recht hoch. Es wird von den Studierenden schon recht viel verlangt. Auch von mir, am Anfang der Ausbildung, wird schon einiges verlangt. Es ist wird sehr viel Wert auf die Motivation gelegt, und es ist wichtig dass man Interesse zeigt. Seit dem zweiten Ablauf unterstütze und assistiere ich so gut es geht, und soweit meine Kompetenzen es zulassen, den Leader im Team. Dies kann ein dipl. Rettungssanitäter sein, oder ein/eine Studierender/Studierende sein. Dabei führe ich die Aufgaben aus, die mir der Leader erteilt.

Zu diesen Aufgaben gehören:

  • Monitoring (Blutdruck, Sauerstoffsättigung, 4-Kanal-EKG)
  • Infusionen vorbereiten
  • peripherer intravenöser Zugang legen
  • offene Wunden behandeln (reinigen, desinfizieren, abdecken)
  • Sauerstoff über Nasenbrille / Maske geben
  • Medikamente aufziehen, Dosierung berechnen
  • ReassessmentPatient während der Fahrt überwachen

Im Verlauf der weiteren Ausbildung im Rettungsdienst kommen immer wieder neue Aufgaben hinzu.

Was für Einsätze hatte ich bereits?

  • Selbstunfall mit Auto / mit Velo
  • Bewusstlosigkeit
  • Herz-Kreislaufstillstand 
  • Kind mit RQW (Riss-Quetsch-Wunde)
  • Fieberkrampf / Krampfanfall
  • Intoxikation (Alkohol Drogen)
  • Psychischer Notfall / Fürsorgerische Unterbringung (FU)
  • Verlegungen (Spital nach Spital)

Insgesamt hatte ich in den 9 Schichten 34 Einsätze, dies macht einen Durchschnitt von rund 4 Einsätze pro Schicht. Die aktuellen Zahlen findest du unter „Meine Einsatzstatistik“.

Erfahrungen / Erkenntnisse / Tipps

Es ist sehr wichtig, die Einsätze gründlich nach zu besprechen. Unklarheiten und Fragen sollten immer sofort geklärt werden. Es empfiehlt sich auch, für sich selbst über die verschiedenen Diagnosen, Krankheiten usw. zu recherchieren und sich Notizen zu machen. Tagsüber nutze ich die einsatzfreie Zeit, um mit Lernkarten (App) zu lernen. In der Nacht schreibe ich meistens Berichte oder Zusammenfassungen


Rückblick erster Schulblock & Fazit (Klasse und Schule)

Den ersten 6-wöchigen Schulblock haben wir nun hinter uns, und sind bereits in der praktischen Ausbildung im Rettungsdienst. Zeit um ein erstes Fazit zu ziehen.

Im Grossen und Ganzen bin ich mit dem ersten Schulblock sehr zufrieden. Der Unterricht war stets interessant und lehrreich. Besonders die Dozentinnen und Dozenten, sowie die Freelancer machten eine sehr guten Job. Sie kommen aus verschiedenen Rettungsdiensten aus der ganzen Schweiz (nicht nur von SRZ) und bringen so sehr viele unterschiedliche Erfahrungen mit. Die meisten sind zudem sehr interessiert an ihrem Job, und versuchen jedem Studierenden bei Fragen und Problemen zu helfen. Teilweise ist die Zeit für umfangreiche und komplexe Fächer etwas zu knapp berechnet. Zudem gab es auch ein paar wenige Lektionen, die man hätte streichen können, um so mehr Zeit für die komplizierten Fächer zu haben. Dies ist aber natürlich Ansichtssache, und jeder sieht dies etwas anders. Die meisten Lektionen hatten wir für die Module 4 (Rettungsgeräte), 5 (Einsatzmethoden) und 6 (Anatomie / Physiologie). Ausser den praktischen OSCE-Prüfungen hatten wir noch keine grösseren Lernzielkontrollen. Diese folgen dann im zweiten Schulblocks.

Übersicht über die bereits behandelten Themen:

– Modul 1: Grundlagen Ausbildung


Ausbildungsbeginn / -verlauf
Berufsbild, Arbeitsfelder, Kompetenzen
Qualifikationsverfahren
– Modul 3: Kommunikation

Kummunikationsmittel
– Funk / Polycom
– Modul 4: Rettungsgeräte









Medizinische Geräte
– Monitor, SpO2, Blutdruck, EKG
– Blutdruck manuell
Technische Rettung
– Halskragen & Helmabnahme
– Rettungsbrett & Beckengurt
– Immobilisation
– Vakummatratze & Schaufeltrage
– Rapid Extrication / Crash Bergung
– KED / BOA Rettung
– Modul 5: Einsatzmethoden






Patientenbeurteilung ABCDE
Skilltraining (praktisch Training)
Fallbeispiele
Infusionen und Injektionen
– peripher-venöse Zugang
– Perfusoren
Grundlagen “Pflege“
– Modul 6: Anatomie / Physiologie









Histologie & Zytologie
Naturwissenschaftliche Grundlagen
– Chemie und Biochemie
– Säure-Basen-Haushalt
– Wasser-Elektrolyth-Haushalt
Stütz- & Bewegungsapparat
– Knochenlehre
– Muskellehre
Kreislaufsystem
– Blut- & Lymphsystem
– Modul 7: Sicherheit / Hygiene
Hygiene im Rettungsdienst
– Modul 10: FallsimulationenABCDE inkl. Technische Rettung
– Modul 26: Berufsentwicklung


Lerntechniken
Lernwerkstatt
Selbststudium
– Modul 27: Qualifikationsverfahren



OSCE-Prüfungen
– BLS-AED
– Wendel- & Guedeltubus, Absaugen,
manuelle Airway-Manöver

Was mir auch sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, war der Grillplausch in der ersten Schulwoche. Dabei konnten wir uns als Klasse zum ersten mal so richtig kennenlernen. Es gab viele interessante Gespräche und dies förderte unseren Klassenzusammenhalt enorm. Die meisten von uns trafen sich auch ausserhalb der Schulzeiten regelmässig , z.B. für ein Feierabend-Bier, zum Lernen, usw.. Wir sind ein recht bunter Haufen aus verschiedenen Regionen der Schweiz, mit unterschiedlichen beruflichen Vergangenheiten, und dennoch passen wir alle sehr gut zusammen und ergänzen uns hervorragend. Ich bin wirklich froh ein Teil dieser Klasse zu sein.

Ich habe mich auch bei meinen Schulkolleginnen und Schulkollegen umgehört und sie um ihre Meinung bzw. Fazit zum ersten Schulblock gebeten. Nachfolgend einige Kommentare von meinen Mitstudierende.

Das sagen meine Mitstudierenden zu unserer Klasse:

  • Kameradschaft und Zusammenhalt ist für die Ausbildung und generell für den Job sehr wichtig. Ich habe das Gefühl, dass das in unserer Klasse sehr weit oben steht, was die Priorität angeht.
  • Ich finde, man merkt es recht, dass Rettungssanitäter ein bisschen eine eigene Spezies sind. Dies bietet aber aus meiner Sicht sehr viel Vorteile für den Klassenzusammenhalt und die Kameradschaft an sich. So zum Beispiel, wenn man Interessen teilen kann, auf eine gute Art gleich verrückt ist, und man über das gleiche lachen kann. Ich finde unsere Klasse “Hammer” und mag es zum mit jedem einzelnen zu arbeiten.
  • Unsere Kameradschaft in der Klasse ist nicht so wie bei jeder anderen Erwachsenenbildung. Nein, unsere Kameradschaft ist mehr. Ich habe nicht nur eine grossartige Zeit in der Schule, sondern kann auch ausnahmelos jedem blind vertrauen.
  • Ich bin unheimlich stolz, ein Teil von diesem Ganzen zu sein.
  • Ich habe das Gefühl, dass wir in der Klasse einen Haufen ähnlich tickende Leute haben, was wahrscheinlich mit der Berufswahl zu tun hat. Durch dies ist der Zusammenhalt sehr stark.
  • Die Kameradschaft in der Klasse ist sehr gut. Vielleicht kommt das von der sozialen Seite des Berufs, aber ich denke eher, dass es von daher rührt, dass wir alle die selben Interessen haben. Da kommt auch gleich der Zusammenhalt dazu. Er ist sehr eng und ich glaube, jede und jeder würde ohne zu zögern dem anderen helfen, sowie die Klasse verteitigen.

Das meinen meine Mitstudierenden zur Schule (HFRB) und zu unseren Dozenten:

  • Die Schule und die Dozenten fördern die Kameradschaft und den Zusammenhalt in der Klasse und sind stets darauf aus, dass wir gute Rettungssanitäter werden.
  • Die Schule ist sehr gut. Sie ist sehr praktisch orientiert, und auch die Theoriestunden sind sehr gut aufgebaut. Die Dozenten sind humorvoll und fachlich sehr gut. Der Unterricht ist natürlich unglaublich spannend und lehrreich.
  • In der Schule wird viel praktisch gearbeitet. Wir tragen unsere Berufskleidung, um in der richtigen Rolle als Rettungssanitäter zu sein. Die meisten Dozenten, welche praktische Fallbeispiele begleiten, sind Rettungssanitäter, welche in einem in einem Rettungsdienst angestellt sind und punktuell in die HFRB zum unterrichten kommen. So lernt man viele Leute aus unterschiedlichen Gegenden kennen, dies ist sehr spannend, vor allem, wenn sie aus ihrem Berufsalltag erzählen.
  • Unsere Dozenten, die auch Rettungssanitäter sind, sind genauso auf unserer Wellenlänge. Dies macht der Unterricht spannend und lustig. Sie wissen, wie sie den Stoff schnell und verständlich vermitteln können.
  • Der Unterricht ist sehr praktisch, was für die Arbeit “draussen” sehr viel wert.
Unsere Klasse RSL 2019 F (Foto: HFRB/mr)

6. Schulwoche – Muskellehre, Fallbeispiele, Grundlagen Perfusoren, Grundlagen Blut- & Lymphsystem und die 2. OSCE-Prüfung

Die 6. und letzte Schulwoche war, wie die Woche zuvor, wieder sehr theorielastig. Die Themen waren aber sehr interessant, daher hat der Unterricht auch in der letzten Woche wieder sehr Spass gemacht.

Grundlagen Muskellehre

Wir haben die Grundlagen der Muskellehre kennengelernt. Jeder weiss was ein Muskel ist, und welches seine Aufgaben sind. Doch wir Rettungssanitäter wollen bzw. müssen es immer etwas genauer Wissen. Neben der aktiven Bewegung (Laufen, Halten) haben die Muskeln auch noch weitere Aufgaben, zum Beispiel die Wärmeproduktion. Durch die aktive Bewegung (mech. Arbeit)  entsteht auch Wärme als Nebenprodukt. Die hilft uns vor allem wenn wir kalt haben. Dann erzeugt der Körper mit den Muskeln (Kältezittern) bis zu 85% der Körperwärme. Neben den Aufgaben der Muskeln befassten wir uns auch u.a. mit den Eigenschaften der Muskulatur, den verschiedenen Muskelgewebsarten und deren Aufbau, sowie mit der Mechanik und der Namensgebung der Muskeln. Bis zu den Prüfungen im Juni müssen wir neben den oben aufgeführten Lernzielen, die rund 50 wichtigsten Muskeln auf deutsch und lateinisch benennen können. Dadurch ist das Thema „Muskulatur“ schon sehr anspruchsvoll.

Fallbeispiele

Am Dienstagnachmittag durften wir uns wieder an verschiedenen Fallbeispielen beweisen. Es ging in erster Linie wieder darum, ein sauberes und vollständiges Primary Survey (ABCDE-Schema) durchzuführen. Besonders im ersten Jahr wird auf diese Phase der Patientenbeurteilung und -betreuung sehr viel Wert gelegt, weil es sich hier um eine wichtige Grundlage im Rettungsdienst handelt. Für mich war dieser Nachmittag speziell, weil mein Berufsbildner (kurz BB) zu Besuch war. Unter den wachsamen Augen des Dozenten, meines BB’s und den Kollegen musste ich dann ein Fallbeispiel als Leader bestreiten. Besonders mein systematisches Vorgehen bei der Patientenbeurteilung und das kurze und prägnante Team Time Out (kurz TTO, oder 10s für 10min) wurde sehr positiv bewertet. Es gab aber auch konstruktive Kritik, die ich mir dann natürlich sehr zu Herzen nahm.

Grundlagen Perfusoren

Einen halben Tag haben wir uns noch mit den Spritzenpumpen, besser bekannt unter dem Namen Perfusor (geschützter Markenname), beschäftigt. Dies sind Geräte für die kontinuierliche Medikamenten-Verabreichung über eine bestimmte Zeit oder bei einer Dauerbehandlung. Sie kommen meistens auf Intensivpflegestationen (kurz IPS) zum Einsatz. Im Rettungsdienst kommen diese Geräte eher selten vor. Nur wenige Rettungsdienste haben eigene Spritzenpumpen auf ihren Fahrzeugen. Trotzdem müssen wir wissen, was diese Geräte können und wie man diese bedient. Im Unterricht konnten wir einen Perfusor vorbereiten und programmieren.

Grundlagen Blut- & Lymphsystem

In dieser Lektion haben wir die Grundlagen des Blut- und des Lymphsystems behandelt. Ich finde dieses Thema sehr interessant und habe mich daher auf diesen Unterricht gefreut. Es ist wie jedes andere Thema sehr umfangreich und man musste sich vorbereiten. Im ersten Teil haben wir uns neben den Aufgaben des Blutes, auch mit deren Zusammensetzung, den Blutbildern, den Blutzellen, der Hämostase (Blutstillung) und den Blutgruppen befasst.

Der zweite Teil handelte vom Lymphsystem. Das Lymphsystem ist ein Teil des Immunsystems und hat die Aufgaben, Gewebewasser, Eiweisse und Infektionserreger aufzunehmen und abzutransportieren. Es hat daher eine wichtige Aufgabe im menschlichen Körper. Im Unterricht haben wir die primären und sekundären lymphatischen Organe und deren Aufbau und Aufgaben kennengelernt.

2. OSCE-Prüfung

Am letzten Tag des ersten Schulblocks hatten wir nochmals eine praktische Prüfung. Bei diesen OSCE-Prüfungen werden wir auf die korrekte Anwendungen von verschiedenen Skills geprüft. An der ersten Prüfung (4. Schulwoche) stand die korrekte Durchführung der BLS-AED auf dem Programm. An dieser zweiten Prüfung wurden wir auf folgende Skills geprüft:

  • Manuelle Manöver Airway
  • Wendel-Tubus
  • Guedel-Tubus
  • Absaugen

Neben der richtigen Handhabung mussten wir auch Fragen zu den Indikationen, den Kontraindikationen und den Gefahren beantworten. Das ganze war aber sehr überschaubar, und bereits nach 15min. absolviert. Dennoch sollte man diese OSCE-Prüfungen nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich entsprechend vorbereiten. Von den rund 30 Skills werden die wichtigsten ( 17 Skills/OSCE) an praktischen Prüfungen geprüft.

Die nächsten OSCE-Prüfungen finden Ende November statt. Dabei werden weitere 4 Skills geprüft. Dies sind die „stabile Seitenlage“, die „manuelle Blutdruckmessung“, die “Blutzuckermessung“, sowie den „Venösen Zugang“. In der praktischen Ausbildung im Rettungsdienst können wir diese Skills nun üben und trainieren.

5. Schulwoche – Polycom (Funk), Säure-Basen- und Wasser-Elektrolyt-Haushalt, Grundlagen Pflege und Grundlagen Knochenlehre

Etwas verspätet kommt nun auch der Wochenbericht der 5. Schulwoche. Die Schule und das Lernen / Vorbereiten beanspruchen im Moment etwas mehr Zeit, wodurch ich weniger Zeit für das Schreiben von neuen Beiträgen habe. In dieser 5. Woche hatten wir wieder sehr viele Theorielektionen. Einzig am Montagvormittag waren wir praktisch unterwegs. Dabei konnten wir wieder einige spannende und lehrreiche Fallbeispiele lösen.

Säure-Basen-Haushalt

Dies war der erste von mehreren Theorielektionen in dieser Woche. Für mich persönlich ein komplett neues Thema. Ich hatte mich zuvor noch nie damit auseinander gesetzt. Doch schon beim Einlesen auf diese Lektion habe ich bemerkt, wie wichtig dieses Thema für unseren Beruf ist. Daher habe ich versucht, im Unterricht sehr genau aufzupassen und mir Notizen zu machen. Die wichtigsten Schlüsselwörter waren:

  • pH-Wert / Blut pH-Wert
  • Kohlensäure-Bikarbonat-Puffer
  • Protein-Puffer
  • Metabolische Azidose
  • Metabolische Alkalose
  • Respiratorische Azidose
  • Respiratorische Alkalose

Wasser-Elektrolyt-Haushalt

Neben dem Säure-Basen-Haushalt gibt es auch noch den Wasser- und Elektrolyt-Haushalt, welchen wir ebenfalls in der 5. Schulwoche durchgenommen haben. Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittlicher Erwachsener zu etwa 60-65% aus Wasser besteht und für diverse Körperfunktionen verschiedene Elektrolyte benötigt, merkt man sehr schnell, das auch dies ein grundlegendes und wichtiges Thema ist. Wir haben gelernt, welches die wichtigsten Elektrolyte im menschlichen Körper sind (Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium, Chlorid und Phosphor) und wie wichtig das Gleichgewicht des Wasser- & Elektrolythaushalts ist. Hat man von einem Elektrolyt zu viel oder zu wenig (Elektrolytstörung) wirkt sich dies sehr schnell auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen aus. Besonders Störungen des Kalium-, Natrium- und Kalzium-Gleichgewichts können sich schwerwiegend auf unsere Gesundheit auswirken. Gleich verhält es sich mit dem Wasserhaushalt, wenn die Flüssigkeitseinfuhr nicht mit der Flüssigkeitsausfuhr im Gleichgewicht steht. Zudem hat die Störung des Wasserhaushalts meist auch Auswirkungen auf den Natriumhaushalt. Es ist dann unsere Aufgabe, die Symptome einer Entgleisung bzw. ein Ungleichgewicht zu erkennen und die richtigen Massnahmen einzuleiten. Die wichtigsten Schlüsselwörter waren:

  • Wasserein- & ausfuhr
  • Hyper- & Dehydratation (Wasserhaushalt)
  • Hyper- & Hyponatriämie (Natriumhaushalt)
  • Hyper- & Hypokaliämie (Kaliumhaushalt)
  • Hyper- & Hypokalziämie (Kalziumhaushalt)
  • Hyper- & Hypophosphatämie (Phosphathaushalt)
  • Hyper- & Hypomagnesiämie (Magnesiumhaushalt)
  • Chloridmangel

Einführung Polycom (Funk)

Am Dienstagnachmittag wurde es praktisch gesehen nochmals spannend. Wir lernten den Umgang mit dem Polycom (Funk) und die Grundlagen des Funkens kennen. Der erste Teil war ein stark verkürzter Theorieteil, mit den wichtigsten Grundlagen (Funktionen, Aufbau, Regeln, usw.). Der zweite Teil war dann praktisch orientiert. Man musste aufgeteilt in 4 Gruppen 12 verschiedene Fragen (Posten), die auf dem ganzen Schulgelände verteilt waren, beantworten. Dabei wurden 1-2 Personen als fiktive Einsatzleitzentrale (kurz ELZ) bestimmt, die zur Unterstützung angefunkt werden konnte. Die restlichen Personen mussten die Posten suchen und die Fragen beantworten. Konnte eine Frage nicht beantwortet werden, bestand die Möglichkeit, die ELZ (fiktiv) anzufunken. Diese konnte dann die Antwort im Internet suchen. Für schwierige Wörter, wie z.B. bei Medikamentennamen, musste man das Wort mit Hilfe der internationalen Buchstabiertabelle buchstabieren.

Polycom (Funk) mit int. Buchstabiertabelle

Grundlagen der Pflege

Wir haben uns, hinsichtlich der bevorstehenden Praktika (Geriatrie/Spitex, Akutpflege), auch schon mit den Grundlagen der Pflege beschäftigt. Der Unterricht war zum grossen Teil theoretisch ausgerichtet. Zwischendurch gab es immer wieder kleine praktische Einheiten wie zum Beispiel die Mobilisation von Patienten. Primär haben wir in dieser Theorieeinheit gelernt, welche Aufgaben die professionelle Pflege hat, und wo die Schwierigkeiten liegen.

Grundlagen Knochenlehre

Am Ende der Woche stand nochmals eine Theorielektion auf dem Stundenplan. Es ging um den Bewegungs- & Stützapparat des menschlichen Körpers. Einen ganzen Tag haben wir uns mit der Knochenlehre beschäftigt, und dabei unter anderem gelernt, welche Arten von Knochen es gibt, wie diese entstehen, was bei einer Knochenfraktur passiert und welche Knochen zum menschlichen Skelett gehören.

B – Breathing (Beatmung) im Primary Survey

Sind die Atemwege frei und sicher, und liegt kein A-Problem vor, untersuchen wir den Patienten auf evtl. B-Probleme. Hier stellen wir uns folgende Fragen:

  • Ist eine normale Atmung vorhanden?
  • Wie ist die Atemfrequenz?
  • Gibt es abnormale Atemgeräusche (Auskultation)?
  • Wie ist die Sauerstoffsättigung?

Nachdem der Patient im A stabil ist, wenden wir uns der Beatmung des Patienten zu. Hierbei geht es um eine gleichmässige und suffiziente Belüftung der beiden Lungenflügel. Um dies zu kontrollieren verlassen wir uns in erster Linie auf drei Sinne “Sehen, Hören und Fühlen”. Zuerst schauen wir, ob sich der Thorax (Brustkorb) gleichmässig zur Atmung hebt. Trägt der Patient dicke Kleidung machen wir den Oberkörper frei oder legen unsere Hand auf die Brust, um die Hebung zu fühlen. Dabei zählen wir auch die Atemfrequenz aus. Diese hängt aber sehr stark vom Alter und von jedem Individuum ab. Hier eine Auflistung der normalen Atemfrequenzen:

  • Neugeborenen (-30 Tage) 30-60 Atemzüge/min.
  • Säugling (-1 Jahr) 30-60 Atemzüge/min.
  • Kleinkind (1-5Jahre) 22-40 Atemzüge/min.
  • Kind (6-12 Jahre) 18-30 Atemzüge/min.
  • Jugendliche 12-16 Atemzüge/min.
  • Erwachsenen 12- 16 Atemzüge/min.

Ist die Atemfrequenz niedriger als der Normwert, spricht man von Bradypnoe. Ist sie schneller, bezeichnet man dies als Tachypnoe. Der schlimmste Fall wäre die Apnoe (Atemstillstand). Nachdem wir die Thoraxhebung und die Atemfrequenz kontrolliert und ausgezählt haben, wird mit Hilfe eines Stethoskops die Lungen auskultiert (abgehört). Hierbei achten wir auf eine gleichmässige Belüftung der Lunge und auf Atem-Nebengeräusche wie zum Beispiel Brummen, Pfeifen, Giemen oder Stridor. Diese Nebengeräusche sind Anzeichen für Verengungen in den Atemwegen und Bronchien, sowie Ablagerungen von Schleim und/oder Sekretbläschen in der Lunge. Diese Untersuchungen werden, sofern möglich und die Situation es zulässt, immer vom Leader durchgeführt. Die pulsoxymetrische Sauerstoffsättigung (SpO2), die mit dem Monitor gemessen wird, ist eine weitere wichtige Untersuchung. Sie ist ein Teil des Monitoring’s (Sauerstoffsättigung, Blutdruck, EKG) und wird meistens an den Kollegen delegiert. Hier liegt der Normwert bei ca. 97 – 100 %. Liegt der Wert der Pulsoxymetrie unter 90%, sollte dies mit der Gabe von Sauerstoff (O2) behandelt werden. Unter 85% spricht man von einem kritischen Wert. Bei einem Traumapatienten geben wir grundsätzlich immer, unabhängig der laufenden Untersuchung, zusätzlich Sauerstoff (O2).

Massnahmen für die Behandlung eines B-Problems:

  • Atemunterstützende Lagerung
  • Sauerstoffgabe über
    • Nasenbrille (1-6 l/min.)
    • Maske (8-10 l/min.)
    • Maske mit Reservoir (10-15 l/min.)
  • Beatmen
    • kontrollierte Beatmung
    • assistierte Beatmung
  • Entlastungspunktion (bei einem Spannungspneumothorax)

Die Beatmung

Bei der Mund-zu-Mund Beatmung, wie sie zum Beispiel bei der Laien-Reanimation üblich ist, liegt die Sauerstoffkonzentration bei ca. 16%. Im Rettungsdienst kommt die Beutelbeatmung zum Einsatz. Hier liegt die Sauerstoffkonzentration (ohne zusätzliche O2-Gabe) bei 21%. Bei der Beutelbeatmung hat man noch die Möglichkeit, zusätzlich Sauerstoff beizumischen, um eine maximale Sauerstoffkonzentration im Blut zu erreichen. Je nach Zustand und Atemfrequenz wird der Patiente assistiert oder kontrolliert beatmet. Bei der assistierten Beatmung wird der Grossteil der Atemarbeit und der Atemregulation vom Patienten selbst geleitet. Der Rettungssanitäter, bzw. die Beatmungsmaschine unterstützt den Patienten dabei wie ein zusätzlicher Atemmuskel. Kann der Patient nicht mehr selbstständig suffizient atmen, kommt die kontrollierte Beatmung zum Einsatz. Hier übernimmt der Rettungssanitäter, bzw. die Beatmungsmaschine die vollständige Beatmung.

Entlastungspunktion

Bei einem Patienten mit einem Thoraxtrauma (Schuss-/Stichverletzung, Rippenfraktur, usw.), kann es zu einem Pneumothorax kommen. Dabei tritt Luft in den Pleuraspalt (Raum zwischen Lunge & Rippen) ein und behindert die Atmung. Im Pleuraspalt herrscht im Normalzustand ein Unterdruck. Dieser Unterdruck sorgt dafür, dass die Lunge nicht kollabiert. Tritt nun Luft hinein, kann dies zu einem teilweise oder vollständigen Kollaps des betroffenen Lungenflügels führen. Die Folgen / Symptome sind Dyspnoe (erschwerte Atmung, Atemnot), atemabhängige Schmerzen in der Brust, trockener Husten usw.. Ein Pneumothorax kann auch zu einem Spannungspneumothorax führen, eine akut lebensbedrohliche Notfallsituation. Hier wird neben der Lunge auch das Herz (wird zur Seite gedrückt), sowie die obere und untere Hohlvene (werden abgedrückt) in Mitleidenschaft gezogen. Hier werden schnelles Diagnostizieren und richtiges Handeln gefordert. Mit Hilfe einer Entlastungspunktion kann der entstandene Überdruck in der Pleuraspalt abgelassen werden.

Wichtig: Wir können erst zum C (Circulation – Herz-Kreislauf) weiter gehen, wenn sämtliche B-Probleme behoben sind. Wird der Körper bzw. seine lebenswichtigen Organe wie zum Beispiel das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, kann dies schwerwiegende Folgen für den Patienten haben.

B – Breathing (Beatmung) kurz erklärt:

4. Schulwoche – Hygiene, Techn. Rettung auf dem Übungsgelände und die ersten OSCE Prüfungen

Wegen des “Sechseläuten“, einer der höchsten Feiertage in Zürich, hatten wir am Montag frei und konnten ein langes Wochenende geniessen. Ich persönlich freute mich, nach zwei Wochen wieder einmal ein paar Tage Zuhause in Liechtenstein zu sein. Einige von uns trafen sich am Montag um zu lernen und üben, andere wiederum trafen sich in Zürich, um dem Treiben des “Sechseläuten“ mitzuerleben. In der verkürzten Woche standen wieder neue Themen auf dem Programm. Zudem wurden wir das erste Mal praktischen geprüft.

Hygiene im Rettungsdienst

Direkt nach dem verlängerten Wochenende starteten wir mit dem Thema “Hygiene”. Aus meiner Sicht ein sehr wichtiges Thema im Rettungsdienst. Man könnte meinen, dass ein solcher Unterricht etwas trocken und langweilig daher kommt. Doch die Dozentin konnte mit ihrer lockeren und humorvollen Art, und der grossen Erfahrung, den Unterricht sehr spannend und interessant gestalten. Der Unterricht beinhaltete u. a. folgende Themen:

  • Persönliche Schutzausrüstung (kurz PSA), wie z.B. Schutzbrille, Handschuhe, Einweg-Untersuchungshandschuhe, Hygienemaske, usw.
  • Korrekte Anwendung der PSA
  • Hände waschen
  • Hände desinfizieren
  • Hautschutz & Hautpflege
  • Entsorgung (u.a. von Wäsche, Körperflüssigkeiten, Abfall)
  • Keime und Infektionen
  • Allgemeine Präventionsmassnahmen

Ich habe viel Neues bezüglich Hygiene dazugelernt, und erfahren, worauf ich in der praktischen Arbeit im Rettungsdienst achten muss.

Techn. Rettung auf dem Übungsgelände

Am Mittwoch verbrachten wir den ganzen Tag auf dem Übungsgelände und übten verschiedene Methoden der Personenbergung aus dem Fahrzeug. Im Fokus standen die Rapid Extrication (ohne Boa) und das KED. Aufgeteilt in vier Gruppen konnten wir diese Rettungsmethoden mehrmals durchführen und üben. Die Rapid Extrication Methode dient der schnellen Rettung eines kritischen Traumapatienten aus einem Auto. Gegenüber der Crash-Bergung wird bei der Rapid-Bergung der Patient möglichst schonend und achsengerecht aus dem Fahrzeug geholt. Die grössten Herausforderungen sind dabei die personellen Ressourcen. Im Rettungsdienst ist man meistens zu zweit unterwegs. Für eine schonende Bergung wären jeweils drei oder mehr ausgebildete Retter notwendig.

Die Bergung mit dem KED (Kendrick Extrication Device) ist eher eine veraltete Bergungsart und kommt nur noch selten zum Einsatz. Einige Rettungsdienste haben sich bereits von dieser Methode verabschiedet. Sie ist aufwendiger und beansprucht mehr Zeit für die Vorbereitungen. Daher ist sie nur für „nicht kritische“ Traumapatienten geeignet.

Vertiefungs-Unterricht

Wir haben bereits einige Skills kennengelernt und geübt. Am Donnerstag hatten wir nochmals die Möglichkeit, diese zu vertiefen und einige erweiterte Massnahmen kennenzulernen und zu studieren. Auch hier konnten wir wieder von den Erfahrungen der Dozenten profitieren. Konkret haben wir die erweiterten Behandlungsmethoden bei Verbrennungen, Amputationen und Knochenfrakturen kennengelernt und vertieft.

Wärmehaushalt (Naturw. Grundlagen)

Dies war ein weiterer interessanter Theoriebock in dieser Woche. Hier haben wir unter anderem gelernt, wie der menschliche Körper seine Temperatur reguliert, welche Methoden es für die Körpertemperatur-Messung gibt und warum wir eigentlich schwitzen. Dieses Thema ist für unsere Arbeit im Rettungsdienst sehr wichtig. Besonders im E des Primary Survey spielen die Körpertemperatur und der Wärmeerhalt eine wichtige Rolle. Vor allem verletzte, bewusstlose oder alkoholisierte Menschen sind von einer Unterkühlung gefährdet. Bei besonders stark unterkühlten Patienten müssen wir sehr schonend vorgehen, damit es nicht zum Bergungstod kommt. Aber auch bei der Überhitzung müssen wir die verschiedenen Arten (Hyperthermie, Hitzekollaps, Hitzeerschöpfung, Hitzeschlag) kennen und unterscheiden können, und wissen, wie wir dies behandeln müssen.

1. OSCE-Prüfungen (BLS-AED)

Am Freitag stand dann die erste praktische Lernkontrolle an. Dabei wurden wir auf die korrekte Anwendung der BLS-AED-Methode geprüft. Obwohl es eigentlich eine recht einfache und überschaubare Prüfung war, waren wir doch alle ein wenig aufgeregt (im positiven Sinn natürlich). Bei der BLS-AED (Basic Life Support – Automated External Defibrillator) handelt es sich um die einfache Herz-Lungen-Wiederbelebung, quasi die Laien-Reanimation. Wir haben in unserer weiteren Ausbildung nur noch sehr wenig damit zu tun. Wir als angehende dipl. Rettungssanitäter wenden im Einsatz den ALS (Advanced Life Support) ein, eine professionelle Methode mit erweiterten Massnahmen.

Diese OSCE-Prüfung wurde im 2er-Team absolviert. Es gab zwei Durchgänge, wobei jeder einmal den Lead übernehmen musste. Man wurde jeweils nur in der Leader-Position bewertet. Ziel war es, ein Fallbeispiel entsprechend einer vorgegebenen Checkliste abzuarbeiten. Diese Checkliste mussten wir natürlich auswendig lernen und stand uns beim Fallbeispiel (Prüfung) nicht zur Verfügung. Die Checkliste beinhaltete u.a. ein Scene Assessment, General Impression, erkennen eines Herzkreislauf-Stillstand, die korrekte Durchführung der Reanimation, das Erkennen eines ROSC’s (Return of spontaneous circulation), Kommunikation mit dem Teampartner usw.

Die nächste OSCE-Prüfung findet in der 6. und somit letzten Schulwoche von diesem ersten Schulblock statt. Dann werden folgende Skills geprüft: Güdeltubus, Wendeltubus, manuelle Manöver Airway und Absaugung.

A – Airway (Atemweg) im Primary Survey

Die Patientenuntersuchung im Primary Survey (ABCDE-Schema) läuft immer chronologisch ab. Hierbei gilt stets der Grundsatz „Treat first what kills first”. Daher beginnen wir immer mit der Untersuchung der Atemwege. Dabei stellen wir uns folgende Fragen:

  • Sind die Atemwege frei und sicher?
  • Sind die Atemwege verlegt?
  • Besteht das Risiko einer Verlegung?
  • Ist eine Atmung vorhanden?
  • Liegt eine Verletzung der Halswirbelsäule (HWS) vor?

Bereits im General Impression, der Erstbeurteilung des Patienten, erhalten wir einen erster Eindruck und können einige Fragen zum A beantworten. Spricht man den Patienten an und es kommt keine Antwort zurück, oder sind zum Beispiel die Lippen zyanotisch, muss von einer Atemwegsverlegung ausgegangen werden. Weitere mögliche Symptome beim Ersteindruck können Husten, abnorme Atemgeräusche & -bewegungen oder Bewusstseinsstörung sein. Im Primary Survey werden im A die oberen Atemwege (Mundhöhle & Rachen) und die Atmung kontrolliert. Sind sie frei und sicher, und ist eine suffiziente Atmung vorhanden, könne wir weiter zum B (Breathing – Beatmung). Wird jedoch ein A-Problem festgestellt, so muss dies umgehend behandelt und behoben werden. Um die oberen Atemwege frei zu machen und zu sichern, gibt es verschiedene Massnahmen.

  • Manuelle Manöver (ohne HWS-Trauma)
    • Head-Tilt Chin-Lift Manöver
    • Esmarch-Handgriff
  • Manuelle Manöver (mit HWS-Trauma)
    • Trauma-Jaw-Thrust
    • Trauma-Chin-Lift
  • Guedeltubus (über den Mund)
  • Wendeltubus (über die Nase)
  • Fremdkörper entfernen
    • Absaugen (Erbrochenes, Blut, usw.)
    • mit chirurgische Zange (feste Fremdkörper)
    • Heimlichmanöver
  • Larynxtubus (bei bewusstlosen Patienten, durch Notarzt)

Eine assistierte oder kontrollierte Beatmung, sowie die Gabe von Sauerstoff wird im A jedoch noch nicht durchgeführt. Diese Massnahmen folgen erst im B.

Ist der Patient gestürzt oder war er in einen Verkehrsunfall verwickelt, wird im A zudem die Halswirbelsäule-Fixation (kurz HWS-Fixation) durchgeführt. Zuerst erfolgt eine manuelle Fixation durch einen Rettungssanitäter. Anschliessend wird zur Unterstützung meistens eine HWS-Schiene (Stifneck) angelegt.

Wichtig: Wir können erst zum B (Breathing – Beatmung) weiter gehen, wenn sämtliche A-Probleme behoben sind. Man bedenke, dass eine suffiziente Beatmung im B, mit verlegten Atemwege, nicht möglich ist.

Das Airway-Management kurz erklärt:

(Quelle: youtube / Med Camp Stand: 03.08.2017)

Das ABCDE-Schema im Rettungsdienst

Um eine verletzte, kranke oder kritische Person zu beurteilen, setzen Rettungssanitäter weltweit das ABCDE-Schema ein. Es gehört zum Primary Survey und ist eine Erstbeurteilung des Patienten, die innert 2-3 min. abgeschlossen sein sollte. Das ABCDE-Schema ist eine denkbar einfache und effektive Strategie, um Patienten nach einer Prioritätenliste zu beurteilen und zu behandeln. Ganz nach dem Grundsatz „Treat first what kills first” werden zuerst die Probleme beurteilt, behandelt und gelöst, welche lebensbedrohlicher sind und schneller zum Tod führen. Erst wenn ein potentielles Problem erfolgreich behandelt wurde, geht man zum nächsten Punkt in der Beurteilung über.

Das Schema / Aufbau

  • A – Airway (Atemweg)
  • B – Breathing (Beatmung)
  • C – Circulation (Kreislauf)
  • D – Disability (Defizit, neurologisches)
  • E – Exposure/Environment (Exploration)

Ein Beispiel: Wird im A eine Atemwegsverlegung (teilweise oder vollständig verschlossene Atemwege) festgestellt, kann dies zu einem Erstickungszustand (Asphyxie) führen, bei dem der Tod wesentlich schneller eintritt, als bei einer Blutung (Hämorrhagie, C-Problem). Ausgeschlossen sind hier natürlich kritische und unkontrollierte innere und äussere Blutungen, bei denen der Blutverlust innert kurzer Zeit 1.5 Liter überschreitet. Hier würde dann folgendes Schema zur Anwendung kommen:

  • C – Critical Bleeding (kritische / unkontrollierte Blutung)
  • A – Airway (Atemweg)
  • B – Breathing (Beatmung)
  • C – Circulation (Kreislauf)
  • D – Disability (Defizit, neurologisches)
  • E – Exposure/Environment (Exploration)

Das (C-)ABCDE-Schema kurz erklärt:

(Quelle: youtube / Med Camp Stand: 06.07.2017)

Nach dem ABCDE-Schema (Primary Survey) erfolgt im Zuge eines “Team-Timeout” (auch „10 Sekunden für 10 Minuten“ genannt), die Einteilung der kranken oder verletzten Person in “kritisch” oder „nicht kritisch”. Zudem wird eine Strategie für den Transport festgelegt und die weiteren Massnahmen festgelegt.

Strategien für den Transport:

  • Load and go (laden und fahren)
  • Treat and run (versorgen und laufen)
  • Stay and play (bleiben und spielen)

Zu den einzelnen Buchstaben (A – E ), sowie zu den Themen Scene Assessment, General Impression und Secondary Survey werden ich in den nächsten Tagen jeweils einen separaten Beitrag veröffentlichen.